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30. April 2021, Freitag

Seit 2 Monaten im Camper

Inzwischen wohne ich seit 2 Monaten im Camper. Für das Frühlingswetter bin ich sehr dankbar, es macht das Vanlife sehr angenehm. Was viele nicht wissen: Bereits im November 20 bin ich aus der Wohnung ausgezogen und habe mich im Wintercamping versucht. Eine Erfahrung, die ich nicht nochmal machen würde und die ich irgendwann im Januar abgebrochen habe. Ständig diese Kälte und Nässe, morgens vereiste Fenster, der Motor der nur mit Mühe anspringt, immer dieser graue Himmel und dann noch die etlichen Dinge, die beim Van kaputtgingen,… Lichter, Scheibenwaschanlage, Türschloss, Alarmanlage, ausgefallene Standheizung und Rost. Für den Camper war es in 18 Lebensjahren der erste Schweizer Winter im Schnee, in der Vergangenheit verbrachte er den Winter entweder im Süden oder in der beheizten Halle. Der Schneewinter war sowohl für den Bus als auch für mich eine Zumutung. Glücklicherweise durfte ich dann in der Wohnung einer guten Freundin überwintern, die für ein paar Monate verreist war. Nur mein armer Camper musste weiterhin draussen in der Kälte stehen und dem Schnee und Eis trotzen. Deshalb hat er anfangs April eine Wohlfühlbehandlung von mir bekommen. Ich habe an mehreren Tagen gegen den Rost gekämpft und den Unterbodenschutz punktuell erneuert. Leider hat sich der Rost an drei Stellen durchs Metall gefressen, einmal bei einem Radkasten sowie auf beiden Einstiegsseiten in die Fahrerkabine. Da dieses Jahr die Motorfahrzeugkontrolle ansteht – eigentlich hätte sie im Frühling stattfinden sollen, aber der Kanton Zug hat aufgrund Corona Verzögerung, es kann Herbst werden – ist so oder so ein grösserer Garagenbesuch hinfällig und bei dieser Gelegenheit werden die drei Stellen mit einer Metallplatte zugeschweisst. Ansonsten geht es dem Camper wieder gut. All die kleinen Dinge wie defekte Alarmanlage, kaputte Türe etc. konnte ich selbst flicken. Die Alarmanlage, die über Wochen immer wieder ganz spontan losging, hörte damit auf, nachdem ich sämtliche Türsensoren gereinigt und mit Kontaktspray besprüht hatte. Beim defekten Türschloss an der Seitentür musste ich erst die Verkleidung entfernen, um überhaupt an das Schloss zu kommen. Hier hat Putzen, Schrauben anziehen und ordentlich WD40 Spray wahre Wunder bewirkt, die Tür ging danach wieder so wie sie soll. Bei der defekten Scheibenwaschanlage habe ich die Wischwasserpumpe ersetzt, allerdings gings danach noch immer nicht. Meine Vermutung, dass irgendwo am Kabel ein Defekt war, wurde von einem bekannten Automech bestätigt. Das Leck und den damit einhergehenden Stromverlust zu lokalisieren wäre sehr aufwändig gewesen, weshalb wir das Problem wie folgt gelöst haben: Wir haben eine neue Stromleitung zu einem der leeren Schalter im Fahrercockpit gelegt. Neu muss ich also auf einen Schalter am Armaturenbrett drücken, damit das Wischwasser die Scheiben sauber macht. Find ich ehrlich gesagt ziemlich cool! 🙂

Eins steht für mich klar: Ab November kommt der Camper zum Überwintern in eine Halle. Und zwar nicht in irgendeine Scheune, sondern in eine beheizte Halle, wo der Camper an einen Batteriewächter angeschlossen werden kann. Offenbar sind aber jetzt schon ganz viele solcher Hallen ausgebucht, es wird also eine Glückssache. Spätestens anfangs März 22 kommt der Camper dann (hoffentlich) wieder zum Einsatz, denn dann ist ein mehrmonatiger Trip nach Spanien/Portugal mit Freunden geplant.

Das Leben im Camper

Ich werde immer wieder gefragt, ob das Leben im Camper nicht voll ungemütlich ist. Nein, ist es nicht, aber es ist natürlich auch nicht so komfortabel wie in einer Wohnung. Alles dauert länger – Kochen, Abwaschen, An- und Auskleiden, der Gang zur Toilette. Manchmal nervt mich das. Vor allem morgens brauche ich viel mehr Zeit als ich vorher in der Wohnung gebraucht habe. Dies aus dem Grund, weil das Innenleben vom Van aufgeräumt und alle Sachen verstaut sein müssen, bevor man losfahren kann. In einer Wohnung kann ich das Frühstücksgeschirr einfach in die Abwaschmaschine stellen und wenn’s mal ganz dringend ist, alles stehen und liegen lassen und zur Haustür raus.

Mein aktuell grösstes «Problemchen» ist das Duschen. Während man sich in einer Wohnung gar nie darüber Danken machen muss, wann und wo man sich das nächste Mal unter die Dusche stellt, ist das beim Camper in der aktuellen Coronalage nicht immer ganz leicht. Gäbe es keine Coronamassnahmen, wäre es absolut kein Problem, denn ich gehe gerne Schwimmen und ein Hallenbad findet man fast überall. Auch im Sommer ist es relativ einfach, entweder man duscht in der Badi oder springt in den Fluss. Dafür ist es jetzt aber noch zu kalt. Fitnesscentren haben zwar neuerdings geöffnet, aber CHF 25.00 – CHF 35.00 für einen Eintritt nur zum Duschen ist es mir dann auch wieder nicht wert, da würde ich eher noch auf einen Campingplatz fahren. Ich habe eine coole Aussendusche für den Camper, aber sich auf einem öffentlichen Parkplatz zu duschen ist weder geil noch empfehlenswert. Das liegt nur an sehr abgelegenen, einsamen Plätzchen drin, die man in der Schweiz leider nicht so oft findet. Nächstes Jahr in Spanien / Portugal wird diese Dusche dann ganz oft zum Einsatz kommen, insbesondere nach einem Strandaufenthalt. Kurz noch zu dieser Dusche: Es handelt sich um einen mobilen Hochdruckreiniger aus dem Mountainbike-Zubehör, um das Bike nach einer Tour zu reinigen, damit man es nicht dreckig verladen muss. Coolerweise wird er mit einer zusätzlichen Duschdüse geliefert. Das Ganze läuft über 12V und hat ordentlich Druck drauf. Perfekt für Camper! In meinem Artikel mit dem Titel «10 unverzichtbare Camper Gadgets» findest du eine Review dazu unter Punkt 6.

Also, fassen wir zusammen: Duschen ist ein Thema, das aktuell einiges an Planung bedarf, aber es ist machbar! Meistens Dusche ich bei Freunden und Familie.

Abgesehen von so kleinen Unannehmlichkeiten, an die man sich jedoch früher oder später gewöhnt, liebe ich das Leben im Camper. Ich bin viel mehr draussen unterwegs und erlebe mehr als in meinem ehemaligen Wohnungs-Alltag. Ich habe die kleinen Dinge im Leben wie etwa eine heisse Dusche wieder schätzen gelernt und gehe offener durchs Leben. Wenn ich im Bett liege, liebe ich es, den Blick schweifen zu lassen und die ganzen Dinge zu betrachten, die ich selbst gebaut habe, auch wenn nichts davon perfekt ist. Ich liebe, wie alles funktioniert und auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist. Dass ich meinen Strom durch Solar selbst produziere. Dass ich minimalistisch und nachhaltig lebe. Ich liebe, dass ich mein kleines zu Hause immer mit dabeihabe und frei und unabhängig bin. Ich liebe, dass ich mich jederzeit hinlegen und ein Nickerchen machen kann. Ich liebe auch die finanzielle Freiheit, die mir dieses Leben gibt – gleiches Einkommen wie vorher aber viel weniger Ausgaben. Diese finanzielle Freiheit erlaubt mir hohe Rücklagen und das wiederum ermöglicht ganz verschiedene Dinge. Ich persönlich plane, nächstes Jahr meinem Herzenswunsch nachzugehen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, wofür ich mir ein Jahr Zeit nehmen möchte. Und wenn’s nicht klappt, dann mache ich einfach dort weiter, wo ich aufgehört habe.

Vanlife bedeutet für mich…:

  • Minimalismus: Weniger Besitz, weniger Konsum
  • Leben auf wenigen Quadratmetern – dafür viel mehr draussen sein
  • Beschränkte Ressourcen (Strom, Wasser, Toilette)
  • Weniger Komfort (kein Geschirrspüler, kein Warmwasser, weniger Platz etc.)
  • Ganz viel Aufräumen – es wird so schnell chaotisch auf so kleinem Platz. Im Gegenzug hat man schnell aufgeräumt. Effektiv stehe ich einfach im Gang und drehe mich im Kreis, bis alles an seinem Platz ist.
  • Aktiver und abwechslungsreicher Alltag
  • Vanlife ist nicht wie auf den Fotos auf Insta! Manchmal heisst Vanlife dass man auf dem Lidl Parkplatz neben der Strasse übernachtet
  • Finanzielle Freiheiten und dadurch mehr finanzielle Möglichkeiten

Ich weiss manchmal gar nicht, was ich hier alles schreiben soll. Stellt mir doch via Mail oder Instagram DM Eure Fragen zum Thema Wohnen im Camper, gerne nehme ich diese hier im Blog auf.

Gibt es andere Leute hier, die auch im Camper in der Schweiz wohnen? Dann meldet euch, wäre cool, sich zu vernetzen.

By the way… Manchmal hat man das Bedürfnis nach Veränderung und jetzt gerade habe ich ordentlich Lust auf einen Tabetenwechsel, und zwar wortwörtlich. Da ich keine Möbel herumschieben oder neu kaufen kann, bin ich aktuell dabei, das Innenleben meines bisher bunten Van in schönstem Reinweiss zu streichen und mit Holz und Stoffelementen zu verzieren. Auf Instagram könnt ihr die Fortschritte regelmässig in meiner Insta-Story verfolgen.   

28. März 2021, Sonntag

Seit einem Monat respektive 4 Wochen wohne ich nun im Camper. In diesem Blog kriegt ihr eine kurze Zusammenfassung dieser 4 Wochen plus allgemeine Inputs zum Thema: «Wohnen im Camper in der Schweiz». Zudem möchte ich hier mal ein paar persönliche Gedanken zum Thema «Wildcampen in der Schweiz» ablegen, denn eins habe ich festgestellt: Dieses Thema ist kontrovers. Und zum Schluss gebe ich euch noch ein paar persönliche Campingtipps mit auf den Weg.

4 Wochen sind vorüber und ich hatte mächtig Glück mit dem Wetter. In den Tagen, in denen es in der Nordschweiz geschneit und geregnet hat, habe ich die milden Frühlingstemperaturen auf der Alpensüdseite genossen. Ungefähr 10 Tage verbrachte ich im Tessin, einem meiner absoluten Lieblingskantone. Nicht nur wegen des mediterranen Feelings und der wunderschönen Natur, sondern auch wegen der Sprache – ich liebe Italienisch – und wegen der abgelegenen Winkel und den einsamen, wilden Tälern, die man im Tessin findet. Nebst dem Tessin war ich auch ein paar Tage in Zürich und in der Zentralschweiz unterwegs. Für meine Artikel habe ich immer wieder auf Camping- und Stellplätzen übernachtet, aber wenn ich gerade nicht für ein Magazin unterwegs bin, bin ich fast ausschliesslich am Wildcampen. Was wildcampen für mich bedeutet, habe ich ja schon im letzten Blog ausgeführt. Trotzdem möchte ich hier noch das ein oder andere ergänzen:

Leider treffe ich vermehrt auf sogenannte «Camping-Verbot» Schilder. Für einen Artikel zum Thema «Corona-Campingsommer», den ich für camping Net geschrieben habe, hatte ich mich bei verschiedenen Gemeinden und Tourismusorganisationen nach ihren Erfahrungen mit wildcampen erkundigt. Da kam von fast überall her die Meldung, dass es immer wieder Wildcamper gibt, die ihren Müll liegenlassen und die Natur als Klo benutzen, deshalb die vielen Campingverbot-Schilder.

Leider mache auch ich diese Erfahrung immer wieder. Beispiel letzten Herbst, neben einem wunderschönen Bergsee auf dem Gotthardpass, wo ich im Camper übernachtet habe. Etwas weiter übernachteten zwei Päärchen in zwei Camper, die sich offensichtlich kennen. Am nächsten Morgen beobachte ich, wie beide gleichzeitig wegfahren, und sehe schon von weitem, dass da Dinge in der Wiese liegen, wo die gestanden hatten. Ich lese zwei volle Yoghurt-Becher, die sie beim Wegfahren überfahren haben, so wie unzählige, verstreute WC-Papierchen, mehrere Plastikbecher und einen Plastiksack auf. Das Zeug lag am Vortag definitiv noch nicht da. Da kann sogar ich nachvollziehen, wenn da irgendwann ein Camping-Verbot-Schild steht. Dabei bräuchte es so wenig:

Vor dem Losfahren die Runde machen und den vorhandenen Müll einsammeln, auch wenn der Müll nicht von dir ist. WC Papierchen gehören übrigens in einen Abfallsack und nicht in die Natur, auch nicht unter einen Stein. Und noch besser wäre es meiner Meinung nach, wenn jeder Camper sein eigenes WC an Bord hat, zumindest wer wildcampen will. Hierzu ein anderes Beispiel:

In Kandersteg haben letztes Jahr sehr viele nicht-autarke Campingfahrzeuge wildcampiert, also Camper ohne Toilette an Bord. Auf normalen Parkplätzen, am Waldrand, an schönen Aussichtspunkten etc. Hauptsache sie haben ein Bett, Küche, und was weiss ich an Bord, aber eine Toilette – nein danke, kann man ja hinter den Busch. Wenn die Bewohner eines einzigen Campingfahrzeugs zum Pinkeln in den Wald gehen –okay. Aber wenn die Bewohner von 50 Campingfahrzeugen zum Pinkeln in den Wald gehen, dann ist das eben nicht mehr so geil. Das ist für eine Gemeinde, für die Anwohner und alle anderen Touristen einfach nur unschön. Gerade in der heutigen Zeit, wo Campen voll im Trend ist, sollte man unbedingt lernen Rücksicht zu nehmen und sich anzupassen. Wir sind nun mal nicht im einsamen Kanada, sondern leben in der gut bevölkerten Schweiz. Eine kleine Campingtoilette unters Bett und gut ist, Problem gelöst. Schlussendlich tangieren solche Campingverbote eben nicht nur die nicht-autarken Camper, sondern auch autarke und rücksichtsvolle Camper mit eigenem WC und solche, die den Mist von anderen Campern zusammenlesen, sind genauso betroffen. Wir werden in den gleichen Topf geschmissen, und das nervt. Also liebe Alle, lest bitte euren Müll und wenn nötig auch den vom Nachbarn zusammen, verhaltet euch unauffällig, bleibt nicht mehr als eine Nacht an einem Ort, wenn ihr wildcampt, geht respektvoll mit der Umwelt und mit anderen Menschen um und habt, wenn möglich, eine eigene Toilette an Bord.

So, jetzt kurzer Themawechsel. Wie geht es bei mir weiter? Nun, kommende Woche bin ich fast jeden Tag im Büro am Arbeiten, ich werde daher in der nahen Umgebung campen. Voraussichtlich am Mittwoch werde ich meine Eltern besuchen und mir ein paar Werkzeuge ausleihen, denn es gibt noch einiges, dass ich an meinem Camper verbessern will. Zum einen geht es um einen der beiden Sitzbänke, die ich erst im Herbst 2020 eingebaut habe… es hat sich leider herausgestellt, dass ich diesen zu hoch gebaut habe. Ich muss ihn um ca. 7-10 Zentimeter kürzen. In meinen Gedanken ist das in zwei Stunden erledigt, doch aus Erfahrung weiss ich, dass mich das vermutlich einen ganzen Tag lang kosten wird. Zudem gibt es viele weitere Kleinigkeiten, die zusammen wohl mehrere Tage Arbeitsaufwand bedeuten. Der kommende Mittwoch ist somit einfach mal ein Start in diese Umbauphase… ganz ehrlich, ein Camperausbau endet sowieso einfach NIE.

Kommen wir zum Thema «Im Camper wohnen – in der Schweiz». Vorab: Ja, das geht. Wie genau, das bestimmt jeder selbst. Man kann durchaus jede Nacht auf irgendeinem Campingplatz verbringen, da ist überhaupt nichts gegen einzuwenden, aber ganz günstig ist diese Option nicht. In meinem Fall besteht «Wohnen im Camper» aus einem Mix zwischen Wildcampen, übernachten auf Stellplätzen und übernachten bei Freunden/Familie/Partnerin. Meine Hauptmotivation beim Wohnen im Camper besteht in erster Linie aus der Tatsache, dass ich keine eigene Wohnung mieten will. Ich will mich nicht diesem finanziellen und rechtlichen Zwang hingeben, die ein Mietvertrag mit sich bringt. Für viele mag das seltsam klingen, aber ich finde, man sollte auch mal hinterfragen, warum es denn unbedingt eine Wohnung sein muss. Aus meiner Sicht haben wir uns einfach schon so sehr daran gewöhnt, dass wir erst gar nicht über andere Optionen nachdenken. Deshalb meine Empfehlung an dich: Think about it. Warum brauchst du fünf Zimmer? Warum brauchst du einen Kleiderschrank voller Kleider, wenn du eh nur ein Pullover auf einmal anziehen kannst? Warum musst du alles selbst besitzen, wenn du gewisse Dinge von einem Nachbarn oder einem Bekannten ausleihen kannst (Beispiel: Bohrmaschine oder Reiskocher)? Warum brauchst du zehn verschiedene Pfannen, ein Regal voller Bücher (die du alle schon gelesen hast), oder ein Gästezimmer, das nur einmal pro Jahr benützt wird? Warum musst du jeden Abend am gleichen Ort schlafen? Warum brauchst du unendliche viel Platz für deinen Papierkram, wenn du alles digitalisieren kannst?

Wir wurden von Baby-Boomern aufgezogen und geprägt, in dieser Generation spielten materieller Besitz und Status eine sehr wichtige Rolle. Aber wir sind eine neue Generation – Generation X, Y und Z. Ich persönlich gehöre zur Generation Y, auch bekannt als die Millennials oder die Generation der Digital Natives. Besitz spielt in dieser Generation nicht mehr eine so wichtige Rolle, vielmehr geht es dieser Generation um wichtige Themen wie Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung und persönliche Erfahrungen. Wichtig ist für sie die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, und besonders typisch für diese Generation ist das Hinterfragen vorhandener Strukturen. Deshalb nochmal mein Appell: Think about it.

Denn ich bin sicher, dass Hashtags wie #Vanlife nicht umsonst so populär geworden sind. Ich würde mir wünschen, dass das Leben für Campingnomaden viel einfacher wird. Dass es zum Beispiel grosse, beheizte Hallen mit verschiedenen Aufenthaltsräumen (Arbeitsplätze, Gemeinschaftsküche, Werkstatt, Fitness etc.) gibt, in denen man im Camper überwintern kann. Dass man mit einem speziellen Aufkleber «Ich bin autark» auf einem Dorfplatzplatz übernachten kann, ohne Angst zu haben, von der Polizei weggeschickt zu werden. Dass man irgendwann nicht mehr schräg angeschaut wird, wenn man erzählt, dass man im Camper wohnt. Ich wünsche mir, dass die Wohnform «im Camper wohnend» rechtlich in der Schweiz anerkannt wird. Denn gerade die Tatsache, dass uns heutzutage das «Homeoffice» in vielen Bereichen von örtlichen Abhängigkeiten befreit, sollte uns doch zum Hinterfragen der bisherigen Wohnstrukturen anregen. Und übrigens: Ganz früher waren wir Sammler und Jäger und dabei sind wir stetig herumgewandert. Erst mit Einzug der Landwirtschaft sind wir sesshaft geworden. Just saying.

Ich finde es total schön zu sehen, dass es immer mehr Menschen gibt, die tatsächlich im Camper wohnen. Manchmal stelle ich mir dann vor, wie es wäre, wenn die Struktur «in einer Wohnung/in einem Haus wohnend» der neuen Struktur «im Camper wohnend» weichen würde. Es würde wahrscheinlich so viele coole Dinge geben. Gebäude so gross wie Einkaufszentren, mit Parkagaragen von 4 Metern Höhe, mit modernen öffentlichen Camping-Sanitäranlagen, mit gemeinschaftlichen Räumen wie Büros, Chill-Out Areas, Kinderspielplätzen, grossen Gemeinschaftsküchen, Fitnesscenter, Share-Stations (wo man sich gegenseitig Werkzeug, Wanderstöcke, Bücher und Know-How ausleihen kann), grossen Outdoor-Parkanlagen und mit privaten Lagerräumen. Sollte ich irgendwann mehr als genug Geld haben, dann würde ich sowas bauen – fix!

So, und zu guter Letzt noch ein paar Tipps zum Thema «Im Camper wohnen». Erstens: Miste immer wieder mal aus. Denn im Ernst: 30% von den Dingen, die ich im Camper habe, brauche ich NIE. Weitere 30% brauche ich nur sehr selten, dazu zählen einige Dinge in meiner Werkzeugkiste oder meine Hängematte – die ich ehrlicherweise noch gar nie aufgehängt habe. Aber irgendwann kommt dieser Moment, ganz sicher! Dazu ein Folgetipp: Stopfe deinen Stauraum nicht zu voll. Wenn dir jedes Mal der halbe Schrankinhalt entgegenkullert, wenn du den Schrank öffnest, führt das nur zu Frust. Ich habe mir angewöhnt, immer ein bisschen Platz freizulassen, denn Freiraum tut der Psyche gut.

Dann: Check deinen Camper selbst regelmässig auf Rost ab, besonders nach dem Winter. Denn glaub mir: Einen Grossteil der Roststellen kannst du selbst ohne fremde Hilfe beseitigen, du brauchst einfach einen freien Tag und ein bisschen Ahnung. Ich selbst hatte keine Ahnung, und trotzdem habe ich es durch YouTube Videos geschafft, rostige Stellen langfristig und korrekt in schönstes Weiss umzuwandeln. Es braucht dazu nur: Abschleifen, Rostgrundierung, neuer Lack. Glaub mir, das ist ein Kinderspiel, das kannst auch du! Die grösste Herausforderung ist es, den richtigen Lack in der passenden Farbe zu finden!

Eine grosse Herausforderung ist aktuell Corona und damit der fehlende Tapetenwechsel… wie gerne würde ich einfach mal für ein paar Stunden in ein Kaffee sitzen und dort meine Artikel schreiben, aber das ist aktuell leider nicht möglich. Stattdessen hocke ist die ganze Zeit in meinem Camper, wenn ich arbeite. Mein Rezept dagegen heisst regelmässig herumfahren und einen neuen Ort – wenn’s geht auch Freunde und Familie – zu besuchen.

Übrigens: Wenn du wie ich keine Dusche an Bord hast und du während Corona mal duschen willst, aber sämtliche Hallenbäder und Fitness-Center geschlossen haben, dann dusche auf einer Autobahnraststätte! Auf autobahnen.ch siehst du, welche Raststätten welche Infrastruktur anbieten. Zudem ist das Duschen dort meist gratis!

So, das reicht für heute. Abonniere diesen Blog, wenn du auch in Zukunft spannende Tipps und Erfahrungsberichte zum Thema Wohnen im Camper in der Schweiz erhalten willst.

12. März 2021, Montag

Im Camper wohnen – Part 1

Seit fast 2 Wochen wohne ich nun im Camper. Uns bis jetzt funktioniert alles wunderbar 😊 Man muss aber sagen, dass ich mit dem Wetter ganz schön Glück hatte, auch deshalb, weil ich diese Woche ins Tessin geflohen bin. Die erste Woche war ich im Raum Zürich unterwegs und die letzten Tage verbrachte ich in Bellinzona und Lugano. Natürlich habe ich mir jeweils ein paar Stunden Zeit genommen, um zusammen mit Filou die Gegend zu erkunden, aber es stand auch ganz viel Homeoffice auf dem Plan. Arbeiten macht aber definitiv mehr Spass, wenn man die Mittagspause am sonnigen Ufer des Lago di Lugano zu verbringen und das italienische Ambiente auf sich wirken lassen kann 😊

Als Campingautorin habe ich das super Privileg, dass ich regelmässig gratis auf Camping- und Stellplätzen übernachten darf. Im Gegenzug portraitiere ich sie in meinen Artikeln für die verschieden Campingmagazine. Wenn man immer auf Camping- und Stellplätzen übernachten kann, dann ist das Wohnen im Camper ziemlich easy. Man kann den Camper legal parkieren und ohne Bedenken drin übernachten und hat grenzenlosen Zugang zu Strom und Wasser. Anders sieht es beim wildcampen aus, was ich normalerweise mache, wenn ich nicht gerade für einen Auftrag unterwegs bin. Natürlich habe ich auch in meinem Camper Strom und Wasser und kann mehrere Tage autark unterwegs sein – mit dem neuen Solarpanel hoffentlich noch länger als bisher – aber trotzdem sind die Ressourcen begrenzt und man muss stets ein Auge darauf haben. Irgendwann ist der Wassertank leer oder die Toilette voll, und dann braucht’s eine Ver- und Entsorgungsstation. Wie das mit dem Ver- und Entsorgen genau funktioniert, kannst du übrigens in diesem Artikel von mir nachlesen.

Wildcampen klingt für viele Leute so negativ und illegal, ist es aus meiner Sicht aber nicht. Wildcampen heisst für mich nämlich nicht, dass ich irgendwo mitten im schönen Wald oder am beliebten Seeufer parkiere, sondern wildcampen findet für mich ganz oft an unspektakulären Orten wie auf dem Lidl-Parkplatz, beim Besucherparkplatz vor dem Haus von Freunden oder abseits am Waldrand statt. Da ich dauerhaft im Camper wohne, muss ich nicht ständig den tollsten Spot haben. Für mich ist es viel wichtiger, dass ich mich sicher fühle, und das setzt voraus, dass ich mit meiner Anwesenheit niemanden störe. Hier meine Tipps zum Wildcampen:

  • Möglichst unauffällig verhalten
  • Keine Campingmöbel rausstellen
  • Bei «Camping-Verbot»-Schild weiterfahren
  • Nur 1 Nacht bleiben
  • Kein Abfall liegen lassen (Platz sauberer verlassen als er war)
  • Toilette an Bord haben
  • Respektvoller Umgang mit Natur und Umwelt
  • Freundlich sein zu Anwohnern und lächeln

Übrigens: Im Camper zu wohnen heisst für mich nicht, dass ich jede Nacht im Camper schlafe. Es bedeutet lediglich, dass ich keine Wohnung mehr habe. Der Camper ist meine Basis. Es kommt immer wieder vor, dass ich eine oder mehrere Nächte bei meiner Partnerin, bei meinen Eltern oder bei Freunden schlafe. Schlussendlich liebe ich die Abwechslung und die Unabhängigkeit, die sich durch den Wegfall einer Wohnung ergibt. Der Camper ist da einfach eine super tolle Lösung – Mobilität, Schlafplatz, Büro, Küche und Bad in einem – was will man mehr? Und trotzdem ist für mich eine Basis auch ausserhalb des Campers sehr wichtig – einen Ort, wo ich jederzeit für mehrere Wochen oder gar Monate unterkommen kann, sollte irgendetwas schieflaufen. Von diesen Orten habe ich zwei – bei meinen Eltern und bei meiner Partnerin. Ohne diese Sicherheit/Anker im Hintergrund wäre das Wohnen im Camper wahrscheinlich nicht so leicht und unkompliziert, wie es derzeit ist.

Wenn du noch mehr zum Thema Wohnen im Camper erfahren willst, dann folge mir auf Instagram , hier findest du täglich neue Posts und Bilder vom Leben on the Road 🙂

15. Februar, 2021
KANN MAN IN DER SCHWEIZ IM CAMPER WOHNEN?

Ganz ehrlich…. ich weiss es auch nicht. Deshalb: let’s try out!

Aber warum überhaupt im Camper wohnen? Gegenfrage: Warum nicht? Ich habe einen Camper mit Heizung, fliessend Wasser, Küche, Bett, Toilette. Halt mit dem ganzen Schnickschnack, den man im Alltag so braucht. Ich frage mich viel mehr, wozu ich überhaupt eine Wohnung brauche. Klar ist eine Wohnung ein Mü gemütlicher, aber sie bringt auch ganz viele Verpflichtungen mit sich, die die Faktoren Unabhängigkeit, Spontanität und Freiheit einschränken. Eine Wohnung ist mit hohen Kosten, mehrmonatigen Kündigungsfristen und Materialismus verbunden. Ich kann nicht einfach sagen: So, nächste Woche fahre ich für drei Monate weg, tschüs. Ich brauche jemand, der zu meiner Wohnung schaut, die Post leert, meine Pflanzen giesst, der Mietzins muss bezahlt werden, oder sollte ich die Wohnung stattdessen kündigen, dann brauch ich erst noch einen Nachmieter und die Wohnung samt Möbel (wohin mit den Möbeln und dem ganzen Kram, der sich im Laufe der Jahre ansammelt?) muss geräumt werden. Zudem ist eine Wohnung ziemlich teuer, da man nebst Mietzins hohe Nebenkosten hat und zwangsläufig viel mehr Ressourcen (Wasser, Strom etc.) verbraucht als im Camper. 

Mit dem Camper fällt das alles weg. Man tauscht eine Tranche Komfort gegen ein sehr grosses Stück Freiheit und Unabhängigkeit. Doch: Freiheit und Unabhängigkeit, für wen oder was soll das gut sein? Ich denke, das ist sehr individuell. Corona hat mir persönlich dank Homeoffice ganz viele neue Möglichkeiten eröffnet. Ich muss nicht mehr täglich ins Büro, sondern kann den Grossteil meiner Arbeit von zu Hause aus – oder eben von unterwegs aus – erledigen. Homeoffice im Camper statt in der Wohnung. Ich bin überzeugt, dass ich weder der erste noch der letzte Mensch mit dieser Idee bin. Think about it! Dazu kommen für mich finanzielle, berufliche sowie persönliche Freiheiten – mehr dazu aber ein anderes Mal. 

Kommen wir mal zur Frage, wie ich überhaupt auf diese „Im Camper leben“-Idee gekommen bin. 

Dazu müssen wir fast ein Jahr zurück spulen. Im März 20 musste ich meine seit Jahren heiss ersehnte „auf unbestimmte Zeit“-Reise (mit dem Camper durch Europa) wegen Corona nach nur 8 Monaten abbrechen. Das habe ich bis heute nicht wirklich verkraftet. Wenn Corona nicht gewesen wäre, wäre ich wohl heute noch unterwegs, vermutlich in Griechenland oder in Spanien. 

In den Monaten nach meiner Rückkehr in die Schweiz (inkl. Wohnung) hat Corona an meinen Stimmungshormonen rumgeknabbert. Insbesondere meine in die Wiege gelegten Abenteuer-Gene litten ganz arg unter der Situation, sie waren chronisch unterfordert. Nicht zu wissen, wie es weitergeht, ob Reisen in absehbarer Zeit wieder möglich sein wird, hat mich innerlich nach und nach ausgebremst. Doch es hatte auch sein Gutes: Ich unternahm dafür so oft wie möglich Roadtrips durch die Schweiz. Wanderungen durchs Val Müstair, über die Greina-Ebene, Mountainbiken im Verzascatal und auf dem Flumserberg, Passüberquerungen über den Gotthard, Lukmanier oder Umbrail, Ausflüge ins Jura, nach Zermatt, ins Eigenthal. Wunderschöne Orte, praktisch vor der Haustür. Ich fing mich an zu fragen, warum ich bisher zum „Reisen“ die Grenzen überqueren musste. Irgendwann im letzten Herbst fasste ich dann den Entschluss: Ich kündige meine Wohnung und werde ab Frühling im Camper wohnen. Ich werde von unterwegs aus arbeiten, während ich gleichzeitig durch die Schweiz reise. Kaum hatte ich diesen Entschluss gefasst, kam meine ganze Motivation wieder zurück. Endlich wieder Futter für meine Abenteuer-Gene!

Kommen wir nochmal zurück zur Kernfrage dieses Blogs: Kann man in der Schweiz im Camper wohnen?
Eins kann ich dir dazu schonmal verraten: Wenn man Monate- oder gar Jahrelang mit dem Camper Reisen kann, dann kann man auch darin wohnen. Zumindest überleben. Je autarker der Camper, desto einfacher. Daneben spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle, z.B. ob man unterwegs wildcampen und auf Campingplätzen übernachtet. Mich aber interessiert vielmehr die Frage: WIE ist es, in der Schweiz im Camper zu wohnen? Wo wird geschlafen, kriegt man Ärger mit der Polizei, wie sieht der Alltag aus, was muss man Spezielles beachten, kann man das langfristig durchziehen? 

Du willst wissen, wie es bei mir weitergeht und wie es mit meinem Einzug in den Camper im März klappt? Dich interessiert, ob man langfristig im Camper wohnen kann und falls ja, wie? Abonniere diese Webseite oder folge mir auf Instagram. 

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